Losung

für den 22.07.2019

Wer festen Herzens ist, dem bewahrst du Frieden; denn er verlässt sich auf dich.

Jesaja 26,3

mehr
Termine
Termine

Hier finden Sie eine Übersicht über alle Termine.

mehr
Travemünde
Kirche in WDR 2; 21.07.2019; _verborgen _verborgen

mehr
Service

Für Kirchenmusiker Jens-Peter Enk ist es das Abendlied schlechthin: „Der Mond ist aufgegangen“. Für Kirchenmusiker Jens-Peter Enk ist es das Abendlied schlechthin: „Der Mond ist aufgegangen“.

Evangelisches Gesangbuch Nr. 482

Seht den Mond dort stehen

Ein neuer Blick auf die Erde, auf die Menschheit, auf die Schöpfung: Vor 50 Jahren, nach US-Zeit am 20. Juli 1969, betrat der erste Mensch den Mond. Zum Jahrestag spürt Kirchenmusikdirektor Jens-Peter Enk aus Wuppertal der Faszination des Himmelskörpers in einem alten Abendlied nach.

Jens-Peter Enk lässt die Finger über die Tasten gleiten. Die vertraute Melodie schwebt in der kleinen Kapelle auf dem Heiligen Berg in Wuppertal, und der Kirchenmusiker strahlt. „Sie ist so unaufgeregt, schreitend, ohne Spitzentöne“, sagt er und spielt weiter. Der Mond ist aufgegangen. Meditativ sei es, dieses Lied – das Abendlied schlechthin. Könnten andere Lieder aus alten Zeiten heute als Rap vertont werden und an Geschwindigkeit gewinnen: Dieses nicht. Es bleibt, was es immer schon war.

„Die Melodie lässt Raum, um auf den Text zu schauen“, sagt Enk und widmet sich gut gelaunt den ersten Strophen von Matthias Claudius, die 1779 zum ersten Mal veröffentlicht wurden – 190 Jahre vor der Mondlandung.

Der Mond ist aufgegangen, / die goldnen Sternlein prangen / am Himmel hell und klar. / Der Wald steht schwarz und schweiget / und aus den Wiesen steiget / der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille /  und in der Dämmrung Hülle / so traulich und so hold / als eine stille Kammer, / wo ihr des Tages Jammer / verschlafen und vergessen sollt.

„Was für ein Gemälde“, stellt der Kirchenmusiker fest. Romantik, Harmonie und Abendstimmung. Gleichzeitig die klare, unverwüstliche Erinnerung: Der Mond geht über allen auf. Jens-Peter Enk streckt dabei die Arme in die Luft, als ob er ihn greifen wolle. Und strahlt dieses ehrliche, authentische Lachen, das beim Blick ins Gesangbuch seine Gesichtszüge prägt. Dann beginnt Enk leise, die Melodie von einem anderen Lied zu summen: Der Himmel geht über allen auf. „Nicht nur uns gilt der Trost, sondern allen“, sagt Enk. Daran wolle der Mond die Menschen erinnern.

Er kann es kaum erwarten, in die nächsten Strophen zu blicken:

Seht ihr den Mond dort stehen? / Er ist nur halb zu sehen / und ist doch rund und schön. / So sind wohl manche Sachen, / die wir getrost belachen, / weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder / sind eitel arme Sünder / und wissen gar nicht viel. / Wir spinnen Luftgespinste / und suchen viele Künste / und kommen weiter von dem Ziel.

Darin bestehe die eigentliche Symbolkraft des Mondes: „Er ist immer ganz da, aber oft nur halb zu sehen.“ Der Mensch suche hohe Künste und entferne sich doch mehr und mehr von der Wahrheit. Stolz. Luftgespinste. Er denke sich etwas aus, weil ihm das ganze Bild verborgen bleibe. Oder er antworte mit Spott auf das, was er nicht verstehe. Und am Ende ergehe es dem Menschen ja auch mit Gott selbst wie mit dem Mond: Er ist nur halb zu sehen. Seine Spuren und sein Wirken sind in dieser Welt erkennbar. „Seht ihr nicht, es ist schon angebrochen“, zitiert der Kirchenmusiker – und blickt wieder ins Gesangbuch.

Die weiteren Strophen würden im Gottesdienst selten gesungen, im Volksmund schon gar nicht. „Aber eigentlich funktioniert das Lied nur, wenn man es komplett singt“, sagt Enk, „und es nicht auf die Abendstimmung reduziert.“

Gott, lass dein Heil uns schauen, / auf nichts Vergänglichs trauen, / nicht Eitelkeit uns freun; / lass uns einfältig werden / und vor dir hier auf Erden / wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen / aus dieser Welt uns nehmen / durch einen sanften Tod; / und wenn du uns genommen, / lass uns in Himmel kommen, / du lieber treuer frommer Gott.

„Das Lied wird hier zum Gebet“, sagt er. Enk gefällt die Bitte, die Matthias Claudius formuliert – auch zum Ende der fünften Strophe hin. „Ich habe mir das Kind in mir bewahrt“, sagt er und strahlt wieder. Er wisse, dass er deswegen manchmal belächelt werde. Und dann erzählt Enk die Geschichte, wie er auf dem Balkon seiner Wohnung in einer ehemaligen Kirche die Blumen goss, während die Jungen und Mädchen des benachbarten Kindergartens auf den Spielplatz stürmten. „Als sie mich sahen, schauten sie hoch und riefen im Chor: Hallo, Herr Enk!“ Aufrichtige Freude, herzliches Winken, kein aufgesetztes Lachen. So erlebe er auch Gottesdienste mit Kindern – mit großer Frömmigkeit. „Und wir dürfen auch ruhig schräg fromm sein“, sagt er noch.

Dann nimmt er die letzte Strophe in den Blick:

So legt euch denn, ihr Brüder, / in Gottes Namen nieder. / Kalt ist der Abendhauch. / Verschon uns Gott mit Strafen / und lass uns ruhig schlafen / und unsern kranken Nachbarn auch.

„Wie versöhnlich“, meint Enk und sieht wieder den hellen Mond am Himmel. Die Stimmung, mit der das Lied begonnen habe, kehre zurück. „Es entlässt uns aber nicht ohne den Appell, auch unseren Nächsten im Blick zu haben“, sagt der Kirchenmusiker. „Guck auf die Menschen rechts und links von dir.“ Denn auch für sie geht der Mond auf.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / Text und Foto: Theresa Demski / 19.07.2019



© 2019, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


© 2019, Evangelisch in Urdenbach
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung